Jugendvigil – Die vollkommene Freude

Die vollkommene Freude

(nach einer Erzählung aus den Fioretti des heiligen Franziskus)

 

An einem sehr kalten Wintertag gingen Franziskus und Bruder Leo von Perugia  nach Protiunkula bei Assisi. Die beißende Kälte war äußerst unangenehm. Leo schwieg deshalb, doch Franziskus begann irgendwann zu sprechen: Weißt Du, Bruder Leo, was das absolute Glück ist?“ Leo schwieg, dann antwortete er: „Nun ich meine, dass es großartig wäre, wenn wir einen Bruder unter uns hätten, der alle Krankheiten heilen könnte, wie damals Jesus!“ – „Nein, Bruder Leo, das ist nicht das absolute Glück,“ antwortete Franziskus. „Was wäre, wenn einer von uns alle Sprachen dieser Welt verstehen würde, der größte Wissenschaftler aller Zeiten wäre, wäre nicht das das absolute Glück?“ – „Nein, sicher nicht!“, antwortete Franziskus. „Und was wäre, wenn ein Bruder von uns so großartig predigen könnte, dass alle die vielen Menschen, die in der Finsternis des Unglaubens sitzen, zum Licht des Glaubens finden! Ich glaube, das wäre das absolute Glück!“ – Doch Franziskus erwiderte: „Nein, Bruder Leo, nicht einmal das ist das absolute Glück!“ Nun war Leo neugierig geworden. Und Franziskus begann: „Bruder Leo, jetzt sag ich Dir, wo das absolute Glück zu finden ist! – Stell Dir vor: Wir zwei kommen jetzt in Portiunkula an, sind völlig durchnässt von diesem Schnee, frieren schrecklich, der Magen knurrt und unser Gewand ist dreckig. Wir klopfen an die Klosterpforte. Und der Mitbruder an der Pforte antwortet unfreundlich: „Wer seid ihr?“ Auf unsere Antwort: „Zwei eurer Brüder!“ schnautzt er uns an: „Ihr Lügner! Zwei Nichtsnutze seid ihr, zwei Betrüger, die auf unsere Kosten leben wollen! Macht, dass ihr weiter kommt!“ Und jetzt, Leo, denk mal weiter: Wir werden stehen hungrig und frierend vor Kälte und Nässe draußen im Schnee, die Nacht bricht ein. Wenn wir jetzt nicht Gedanken der Rache gegen den Pförtner wälzen und Gott sogar noch danken können, dass er diese Verleumdung zugelassen hat – merke, Bruder Leo: Darin liegt das absolute Glück. Stell Dir weiter vor: Wir klopfen wieder an. Der Pförtner aber stürzt zornentbrannt heraus und jagt uns als lästige Störenfriede schimpfend und drohend fort Dabei ruft er uns nach: „Schert euch fort, ihr Herumtreiber! Geht zur Herberge für Landstreicher!“ Leo, wenn wir dann noch Gott preisen können und uns das Lächeln nicht entschwindet – merke: Darin liegt das absolute Glück.Und stell Dir vor: Mit Tränen in den Augen rufen wir den Pförtner noch einmal und flehen ihn an, er möge uns wenigstens reinlassen, um der Liebe Gottes willen. Wütend schreit er zurück: „Ihr unverschämten Kerle, euch wird ich´s zeigen. Bewaffnet mit einem Knüppel reißt er die Tür auf, packt uns an der Kapuze, wirft uns zu Boden, sodass wir in den Schnee fallen, während er mit seinem Stock auf uns schlägt.  Leo, wenn wir all diese Erniedrigungen noch ertragen und dabei dran denken, wie sehr auch Jesus Christus gelitten hat und uns darin mit ihm ähnlich wissen – merke, dass daraus das absolute Glück seine Kraft schöpft!“

Mit offenem Mund staunte Bruder Leo den heiligen Franziskus an. Und der sagte: „Wenn jemand den eigen Stolz überwindet, Ungerechtigkeiten und Leiden, Demütigungen und Kränkungen auf sich nimmt, weil er sich von Gott geliebt weiß, dann ist das mehr als alle Gnade und Gaben. Denn wer Leiden und Ungerechtigkeiten geduldig auf sich nehmen und gelassen ertragen kann, der lebt nicht sich selbst, sondern Christus lebt in ihm. Und das ist die vollkommene Freude!“

Gebet:

 

Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Liebe entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Dass ich Licht bringe, wo Dunkelheit herrscht. Dass ich zum Licht werde für Dich. Amen.

 

Wir wünschen allen einen gesegneten Advent!

A – Alle

D – die

V – Vertrauen

E – entdecken

N – neue

T – Türen

 

 

2017-12-02T15:42:16+00:00 1. Dezember 2017|

2 Kommentare

  1. arck carolin 5. Dezember 2017 um 08:57 Uhr - Antworten

    DANKE Ihr lieben Klostermenschen. Oberschönenfeld ist ein Stück vom Himmel mit allen ihren Bewohnern.
    GOTTES reichen Segen für den Erhalt dieses Ortes, der Wirkungsstätte, der Ruhe und Natur und den Arbeiterinnen im Weinberg des Herrn.
    Ein freudenreiches, von Gott geführtes, neues Jahr. Viel Zuversicht und Hoffnung.
    Im Dank und im Gebet verbunden
    Carolin Arck

  2. Anita Dümig 7. Dezember 2017 um 00:57 Uhr - Antworten

    Bitte verzeihen Sie, dass ich noch keinen „Kommentar“ senden kann. Bin viel zu müde und ausgelaugt, um mich so ausdrücken zu dürfen, wie es um mein Herz und meinen tiefen Glauben zu Gott bestellt ist.

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