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Kuno-Gedenkweg

Der Freundeskreis Oberschönenfeld e. V. lädt am Samstag, 11. Mai 2019 ein:

Besuch des Gedenkweges im Scheppacher Forst zum ehemaligen Kuno-Werk.

Der Weg erinnert an die Produktion der Düsenjäger Me262 und die damit verbunden Schicksale im Werk und in der KZ-Außenstelle Burgau.

Treffpunkt: 13.30 Uhr beim Parkplatz der Abtei Oberschönenfeld.

Gemeinsame Fahrt mit Privatautos in den Scheppacher Forst. Die Führung vor Ort übernimmt Maximilian Czysz von der Augsburger Allgemeinen, der wesentlich für die „Geheimsache Kuno“ recherchiert hat. Die Waldwanderung wird ca. 2 Stunden dauern. Die Rückkehr zum Kloster ist für 17:00 Uhr geplant.  Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen.

Anmeldungen werden bis spätestens Samstag, 04. Mai erbeten an:

Herr Dr. Reithmeyr, Telefon: 0821 43 19 76

oder Frau Wiedenmann: Telefon: 08238/902932 (Anrufbeantworter).

 

Zur Information ein Artikel aus der Sonntagszeitung vom 07.03.2019

 

Waffenschmiede im Forst

 Ein Schild am Parkplatz beim Solarfeld bei Scheppach weist auf den Kuno-Gedenkweg hin.

Foto: Wiedemann

SCHEPPACH – Der neue, vier Kilometer lange Kuno-Gedenkweg durch das ehemalige Waldwerk im Scheppacher Forst an der Grenze der Landkreise Augsburg und Günzburg verbindet Welt- und Heimatgeschichte. Hier wurden mit der Entwicklung und Produktion einer „Wunderwaffe“ des NS-Regimes durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen technische Meisterleistungen unter grausamen Umständen umgesetzt.

Die Bayerischen Staatsforsten sind die Grundherren der Bodendenkmäler. Forstamtsleiter Hubert Dorste war es wichtig, einen Erinnerungsraum zu schaffen. Für die Realisierung setzte seine Dienststelle mit Unterstützung zahlreicher Institutionen 15 000 Euro ein.

Die Überreste der Rüstungsfabrik waren fast in Vergessenheit geraten, bis sich Heimatforscher Hans-Peter Englbrecht dafür interessierte. Er war ab 1973 in Gabelbach und ab 1979 in Zusmarshausen Lehrer an den Volksschulen und unterrichtete in Geschichte über das Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach der Bemerkung eines Schülers „In Zus war auch was“ erkundete er mit einer Klasse auf einer Radtour die Ruinen im Wald.

Aus Befragungen und Aufzeichnungen von Zeitzeugen entstanden Zeitdokumente. So wurden beispielsweise die Erinnerungen des vor Jahren verstorbenen Richard Käsmair, einem zwangsverpflichteter Elektriker im Waldwerk und im KZ Burgau, festgehalten.

Englbrecht setzte sich dafür ein, Fundstücke, Fotos und Berichte im Heimatmuseum Zusmarshausen zu zeigen. Weitere örtliche Zeitzeugen trugen ihr Wissen, ihre Erlebnisse sowie Gegenstände bei, mit denen man sich in den umliegenden Orten aus den Überresten der Fabrik im Mangel der Nachkriegszeit behalf. Franziska Stegherrs Bruder aus Jettingen brachte einen Tisch aus der Kantine des Waldwerks nach Hause, an der alle zwölf Kinder der Familie Platz gefunden hatten.

Foto von Leichen

Als sich der Journalist Maximilian Czysz für die Geschichte einer Aufnahme interessierte, die mehr als ein Dutzend abgelegter Leichen in einem Fichtenwald zeigte, rückte das Wissen um das Waldwerk Kuno in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Foto stammt von einem Zusmarshauser Fotografen, der sich nach Kriegsende nur im Umkreis seines Heimatortes bewegen konnte.

Betroffen macht das Schicksal von 978 Jüdinnen, die unter grausamen Umständen von Bergen-Belsen und Ravensbrück mit Viehwaggons nach Schwaben gebracht wurden. Eva Langley-Dános beschreibt die Fahrt in ihren in St. Ottilien aufgezeichneten Erinnerungen: „Es waren 16 Tage, die die Hölle beschämen und den Teufel erröten lassen.“ Etwa 150 der Frauen mussten im Waldwerk Flugzeuge lackieren und den betonierten Mittelstreifen der Autobahn grün streichen, damit er von oben nicht erkannt wurde.

Willy Messerschmitt entwickelte als Konstrukteur den Kampfbomber Me 262 und einen neuartigen Antrieb. Er eröffnete damit ein neues Luftfahrt-Kapitel für die Nationalsozialisten. Nach den Bombenangriffen der Alliierten auf Industrieziele in den Städten wurden Produktionen ausgelagert, unter anderem ins geheime Waldwerk zwischen Zusmarshausen und Burgau.

Dort begann im strengen Winter 1944/45 der Aufbau für die Endmontage der Maschinen. An verschiedenen Standorten gefertigte Einzelteile wurden dort am Fließband in einer 50 Meter langen, 2,60 Meter breiten und 84 Zentimeter tiefen, überdachten Montagegrube zusammengefügt.

Unter Tarnnetzen und im Schutz des Forstes an der Reichsautobahn, die als Startbahn diente, war das Werk für feindliche Aufklärer nicht zu entdecken. Erst die anrückenden Amerikaner fanden und zerstörten es. Noch erhaltene Maschinen ohne Hoheitszeichen wurden auf einem Flugzeugträger nach Amerika transportiert.

„Ohne die vielfältige Unterstützung hätte ich als Heimatforscher allein keine so große öffentliche Beachtung erreichen können“, sagt Englbrecht. Im ehemaligen Zeitsoldaten und Ausbilder der Luftwaffe für Jagdbomber und Starfighter, Christus Katsikis, hat er einen ehrenamtlichen Mitstreiter gefunden, der über technisches Wissen zu den Fundstücken verfügt und – auch in Amerika – Zugang zu Archiven fand, um offene Fragen zu klären.

Anne-Marie Wiedemann

Info:

Der Kuno-Gedenkweg ist über Scheppach zu erreichen. Unter der Autobahn durch geht es über Feldwege zum Parkplatz beim Solarfeld. Schautafeln, Fundamente, Überreste und Exponate sind zu sehen. Die Dauerausstellung im Museum Zusmarshausen ist jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.