Hl. Amadeus von Lausanne (1108 – 1159) , Zisterziensermönch, Bischof

Marianische Predigten VIII, SC 72 (Huit homélies mariales, Éd. du Cerf Paris 1960, p. 207–219, rev.; ins Dt. übers. © Evangelizo)

Die demütige Jungfrau steigt hinauf zum Thron der Herrlichkeit

Lasst uns durch eifrige Huldigung die Königin des Himmels ehren, die Mutter des Lebens, die Quelle der Barmherzigkeit, die von Wonne überströmt und sich auf ihren Geliebten stützt, und preisen wir sie, wie unzulänglich unser Lob auch sein mag. […]
Über alle Bäume des Paradieses erhoben und über die höchsten Gipfel der Berge erhöht, durchdrang sie also den Himmel selbst mit unglaublicher Majestät, unterstützt von den Chören der himmlischen Heerscharen und umringt vom Reigentanz der Jungfrauen. […] Selig, die in deinem Hause wohnen, Herr! Sie loben dich in Ewigkeit (vgl. Ps 84(83),5). In dir wird auch gelobt – nein, nicht Eva, die uns das Gift eingeschenkt, sondern Maria, die uns das Leben geschenkt hat, sie, die Mutter und Ernährerin aller, das Leben der Lebenden. In dir wird auch deine Mutter gelobt.
Die Sanftmütigen sollen es hören und sich freuen! […] Die demütige Jungfrau steigt gekrönt hinauf zum Thron der Herrlichkeit; die Demütigen sollen es hören und sich freuen! Der erste [der Engel], der sich in großer Selbstüberschätzung erhoben hatte, stürzt hinab. Maria aber gab sich als Ganzopfer hin, indem sie sich vollkommen der Fülle der Gnade auslieferte. Die allerseligste Jungfrau weilt also, ausgezeichnet durch ihr unvergleichliches Verdienst, in der Gegenwart des Schöpfers und tritt durch ihr überaus machtvolles Beten immer für uns ein. […]
Sie wird in ihrem vollen Glanz erstrahlen, sie, deren jungfräulicher Schoß bei verschlossener Pforte Gott, den König der Herrlichkeit, über der ganzen Welt erstrahlen ließ.

 

Zum Fest Mariä Himmelfahrt

oder Aufnahme Mariens in den Himmel gehört für viele von uns bis heute die Kräuterweihe. Warum ist das so?
Eine Spur führt zu den Legenden: Eine erzählt, dass nach dem Tod Mariens Christus auf der Erde erschienen sei, um Maria in den Himmel zu begleiten, und da habe sich ein unaussprechlicher Duft auf der Erde ausgebreitet.
Eine zweite Spur ist die Getreidereife und die Blütenpracht des Sommers. Diese wurde von den Menschen schon sehr früh in Verbindung gebracht mit Maria. Ihr Name wurde
durch Blumennamen erweitert: Maria, du Rose ohne Dornen, du Blume des Feldes, du Lilie in den Tälern. Seit dem 5. Jahrhundert wird sie auch als guter und heiliger Acker bezeichnet und verehrt. Maria wurde so zum Sinnbild der Schöpfung.
Wenn wir die „Kräuter“ und „Maria“ betrachten, können
wir durchaus etwas Gemeinsames feststellen. Beide sind von besonderer Schönheit, Zartheit und Heilkraft.
Beide sind unscheinbar, ihre Größe entfaltet sich erst bei näherem Betrachten. Die biblische Maria war, als sie vom Engel gerufen wurde, ein einfaches junges Mädchen in einem klei-
nen, unbedeutenden Dorf. Ich bin sicher: Nicht obwohl sie diese einfache junge Frau aus dem Volk war, sondern weil sie genau das war, wurde sie auserkoren, der Welt den Heiland
zu gebären. Und Maria ist diesem Ruf in ihrem ganzen Leben gefolgt, Gott der Welt erfahrbar zu machen. Durch das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel wird ihr Leben und Wirken bestätigt und besiegelt. Damit hat Gott an ihr das Heil sichtbar gemacht, das einmal allen Menschen zuteil
wird. Das ist ein Grund zu feiern, dass jedem von uns das Heil zugesagt ist. Heute können wir das ganz sinnlich erfahren durch den Geruch und die Schönheit der Kräuter.

 

Segnung der Kräuter
Allmächtiger Gott,
du hast Himmel und Erde erschaffen.
Wir Menschen brauchen zum Leben,
was die Erde hervorbringt.
Ihre Gaben und Kräfte
dienen uns auch zur Heilung.
Viele ihrer Pflanzen können Arznei für uns sein.
Wir bitten dich:
Heile in uns, was krank ist
und richte auf, was daniederliegt
So segne nun diese Kräuter,
und die sie für uns gesammelt haben,
(die Hände ausgestreckt über die Sträuße halten)
du, der Vater † und der Sohn und der Heilige Geist.
A: Amen.

 

Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes Fest Maria Himmelfahrt!